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GEMÜSE VOM BERG (DEMETERHOF)

 

maria pravec-ausschnittMaria Pravec, Pflanzenhegerin aus Leidenschaft, betreibt in Aschelberg auf 850 m Seehöhe einen beeindruckenden Garten der Artenvielfalt. Manchmal trennt sie sich sogar von ihren Lieblingen. Zum Beispiel, um ihre kostbar gezogenen Gemüse- und Obst-Raritäten für die neue Küchenlinie des Landhotel Yspertal zur Verfügung zu stellen.

„Mit der will ich weiter tun. Die ist echt super, schaut so schön aus, nicht einheitlich, das ist interessant. Hell und violett, länglich und rund, weiß und gelb“, schwärmt Maria Pravec von Catriona, einer ihrer zahlreichen Erdäpfelraritäten. Wobei sie die einheitlich blaue Sorte, die sich hier im Waldviertel sehr wohl fühlt, auch nicht ohne findet. Warum sie blau sind, weiß Maria auch: „Vielleicht weil es hier im Waldviertel so kalt ist.“ Sprach’s, zieht ihre Weste enger zu  und stapft weiter in ihrem Garten, von dem sie bis zum Ötscher blickt. Und tief in die Seele jeder Pflanze. Von jeder weiß sie, was sie speziell braucht, um zu gedeihen, wann sie genau zu ernten ist und was den besonderen Wuchs oder Geschmack ausmacht. Und so gut wie jede hat sie selbst in ihrem Anzuchthaus, in das sie sogar eine Fußbodenheizung gelegt hat, vorgezogen. Die viele Arbeit, die damit verbunden ist, tut sich kaum jemand, der vom Gemüseverkauf lebt, an. „Vielleicht wäre zukaufen eh gescheiter, dann fällt das Ernten nicht so schwer. Ich will sie dann oft gar nicht abschneiden, wenn sie so schön gewachsen sind“, gesteht sie. „Wenn man zum Beispiel nach sechs Tagen Kohlsamen kommen sieht, dann ist das was!“

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Auf 800 Metern Seehöhe züchtet Maria Pravec Gemüseraritäten und Sondersorten. Hier zum Beispiel das Spitzrotkraut Vysoke

 

Kraut und Rüben. Und für jede Gemüsepflanze wünscht sich Maria, dass sie von den Essern genauso geschätzt wird wie von ihr, die sie hochgepäppelt hat.  Zu ihrem Bedauern ist das etwa bei Kraut und Rüben so gar nicht der Fall. „Kraut und Rüben wachsen hier im Waldviertel sehr gut, aber die Leute wollen meist stattdessen Melanzani und Zucchini und das im Winter“. Es liegt am schlechten Image der beiden Gemüsesorten, die als Arme-Leute-Essen gelten. Das hat sich in der Kriegszeit, wo etwa aus Rüben Marmelade gemacht wurde, noch verschlechtert. Wer mit Maria in ihrem Garten unterwegs ist, kann kaum glauben, dass man länger ohne Kraut auskommen möchte. Da ist das rot gerüschte Spitzkraut, Vyssoke genannt. Das weiße Spitzkraut aus Filder, ideal für Krautfleckerl und so zart, dass man es sogar roh essen kann. Der deftige rote Grünkohl. Oder Krauskohl. Oder Butterkohl. Oder…

Maria PravecWEBJedes Jahr selektiert sie die für diese Höhe am besten geeigneten Sorten, etwa aus den 40 verschiedenen Paradeisersorten oder jene Kürbissorten, die die kühlen Nächte am besten vertragen. Und jedes Jahr probiert sie neue Gemüsearten. Heuer etwa Artischocken im Freiland und den Neuseeländer Spinat. „Ich bin schon gespannt, ob und wie er wird und was man davon erntet“, sagt sie. Von der Arche Noah hat sie den Tipp bekommen, der Neuseeländer Spinat wäre gut als Bodensdecker bei Tomaten geeignet. Womit wir bei einem ihrer Lieblingsthemen angekommen sind: „Fruchtfolge und Nachbarschaften müssen passen. Karotten und Zwiebeln passen etwa gut zusammen, ebenso Kraut und Sellerie. Und die richtige Fruchtfolge ist eine logistische Herausforderung. Man kann etwa nicht im ersten Jahr Bohnen und im zweiten Erbsen pflanzen. Und alle sieben Jahre braucht der Boden eine Pause“, erklärt sie. Für sie ist es selbstverständlich, dies einzuplanen.

So sieht das Gemüse dann bei uns am Buffet aus ...

So sieht das Gemüse dann bei uns am Buffet aus …

Spaghetti-Bohnen und Spargelsalat. Mittlerweile haben sich unzählbare Gemüse- und Obstraritäten in Marias Garten bewährt: der fünf-färbige Mangold, der blaue Kohlrabi, der besonders zart schmeckt, die herzförmigen Karotten, die gelben Himbeeren,  die Asiasalat-Raritäten, die ein wenig nach Kren schmecken, der Spargelsalat, der statt Blättern einen dicken Stängel wie ein Spargel in der Mitte hat, der Sweet Dumpling-Kürbis, der süß und klein wie eine Maroni ist. Oder die Spaghetti-Bohne. Sie wird beeindruckende 40 cm lang. Man kann einen Knoten in die Bohne machen und so servieren. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass da eine Riesenbohne liegt und jemand sagt nichts dazu. Die kennt man normalerweise nicht. Litschi aber kennt man…“ Die Spaghetti-Bohnen sind weder zum Lagern geeignet, noch kann man sie lange warm halten, weshalb sie nicht supermarkttauglich sind und als Rarität höchstens in engagierten Wirtsbetrieben mit frischer Zubereitung vorkommen.

Manches gelingt und gelingt aber auch nicht. Noch nicht. Etwa die roten Kohlsprossen, sie sind bis jetzt nicht aufgegangen. Wobei es auch besonders ist für Maria, wenn die grünen Kohlsprossen gelingen. „Voriges Jahr sind sie super schön geworden. Sie brauchen sehr viel Stickstoff. Üblicherweise wird der mit Kunstdünger gegeben, ich arbeite aber nur mit tierischem Kompost vom Schafmist. Damit muss man auch umgehen können.“ Zusätzlich verteilt sie die Wolle der Schafe am Boden, die setzt sich irgendwann auch in Stickstoff um. Muss man wissen. Muss man mögen. Muss man tun.

 

Maria Pravec liefert das köstliche Gemüse das von Elisabeth Haslinger  (r.)  im Landhotel Yspertal verarbeitet wird.

Maria Pravec liefert das köstliche Gemüse das von Elisabeth Haslinger
(r.) im Landhotel Yspertal verarbeitet wird.

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